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Denkmäler heute

Und wo sind die Denkmäler für reale, historische oder noch lebende Frauen?

Es wäre reizvoll, diese allein schon in Deutschland zu suchen und unter verschiedenen Aspekten zu vergleichen. Z. B. meine mich z. Zt. beschäftigende Frage: Führt die z. T. unterschiedliche Lebens- und Kulturwelt von Frauen und Männern zu unterschiedlichen Formen an Denkmälern – in der Wahl der Darstellung, von Materialien, von Standorten …? Oder sind die Denkmäler nur vom individuellen Wesen, nur von der gesellschaftlichen Position der dargestellten Person – oder nur von der gerade herrschenden Kunstrichtung abhängig? Oder …?

In Deutschland fällt mir kein Reiterstandbild mit einer Adligen oder einer Heerführerin ein. Ihnen?

Großer Wirbel in allen Medien, als der Künstler Wilhelm Koch im Oktober 2021 ein Reiterstandbild von Angela Merkel veröffentlichte (eine „2,70 Meter hohe lebensgroße Skulptur aus Leichtbeton und mittels eines entsprechenden 3D-Druckers“ beim Tempel Museum Etsdorf/Landkreis Amberg-Sulzbach, Oberpfalz, Bay.).

Der Künstler fragt: „Würdigung oder Ironie?“

Ich frage: Ist ein Reiterstandbild noch eine zeitgemäße Darstellung einer gesellschaftlichen Position? Oder passt besser Dienstlimousine, Rednerpult, …?

Passt für ein Denkmal ein Pferd als Standessymbol nur „wesensmäßig“ nicht zu Frau Merkel? Passt es besser zu Frau von der Leyen oder Herrn Steinmeier?
Oder sollten heutzutage Denkmäler für Personen nur noch abstrakt gestaltet sein?

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Denkmäler

Ihnen fallen sicher viele konkrete Denkmäler im öffentlichen Raum ein: Denkmäler im übertragenen wie im konkreten Sinn – und auch gefallene. Wofür oder an wen erinner(te)n dargestellte Personen? Wann wurden die Denkmäler errichtet, in welchem Stil? Mit welchen Materialien? Standplatz?

Beim gedanklichen Stöbern drängt sich mir die Frage auf (frei nach einem Chanson): Sag mir, wo die Frauen sind. Wo sind sie geblieben?

Doch, doch, es gibt sie, die Frauen, sogar sehr häufig. Aber – von wenigen Ausnahmen abgesehen wie die Bavaria oder Jeanne d’Arc – nicht protzig, auf einem steinernen, bronzenen, goldenen, … Pferd, nicht meterhoch „in Stein gemeißelt“ und unübersehbar mitten auf einem großen Platz, nicht übergehbar bei Tourismusführungen!

Und doch: So offen! So unübersehbar! Aber auch so anonym! – dass wir sie im Alltag buchstäblich nicht wahr-nehmen, sie über-sehen. Ich greife zwei im hiesigen/„westlichen“ Raum besonders dominierende Beispiele heraus:

  • Einmal die historische Maria: geb. ca. 17 v. Chr., mit ca. 13 J. erstes Mal Mutter (von Jesus), verheiratet mit Josef, Handwerkersfrau. Sie wurde allerdings in den letzten rund 2000 Jahren religiös so beschlagnahmt und entsprechend dargestellt, dass sie so gut wie nicht mehr als historisch eigenständige Frau erkennbar ist.
  • Zum Anderen Allegorien wie „die Tugend“, die auf Schritt und Tritt „weibliches Benehmen“ dokumentieren und von Frauen auch einfordern. Oder haben Sie z. B. schon mal von der Forderung gehört, dass ein Mann „tugendhaft, sittsam und rein“ sein sollte?

Symbole, Kunst-Figuren – aber häufig reale, historische Gesichter: die der Ehefrau, Freundin, Mutter, Tochter, Nachbarin, … der Künstler. Schade, dass wir in der Regel nichts weiter von diesen wissen.
So sind sie leider „nur“ Denkmäler für Ideale und für „ideale Frauen“.

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Biografien Mittelfranken N

Kunigunde Schwab

1910 – 1997

1994 erhielt sie den Lina-Schneider-Preis der Nürnberger Bündnisgrünen für ihr „herausragendes Engagement zur Wahrung menschenwürdiger Lebensumstände“.

Ihr politisch aktives Leben begann sie in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend und in der sozialdemokratischen Kinderfreundebewegung. 1932 wurde sie Mitglied bei den kommunistischen Jungen Pionieren.

1933 arbeitete sie als Sekretärin für zwei KPD-Abgeordnete.

Nachdem die KPD von den Nationalsozialisten verboten wurde, ging sie in den Untergrund. Zusammen mit der nun illegalen KPD-Bezirksleitung gab sie sechs Ausgaben der Zeitung „Blätter der sozialistischen Freiheitsaktion“ heraus.

Ihre Arbeit flog auf. K. Schwab wurde 1933 verhaftet und verbüßte bis 1934 eine Strafe, z.T. in Einzelhaft, in der Strafanstalt Aichach. Danach war es ihr (auch gesundheitlich) bis 1945 unmöglich, weiter politisch aktiv zu sein.

1946 wurde sie Abteilungsleiterin im Nürnberger Arbeitsamt.

Auch politische Arbeit war für sie wieder möglich:

1946 – 1956 war sie für die KPD Mitglied im Nürnberger Stadtrat.

1946, als Vizepräsidentin der Verfassungsgebenden Versammlung in Bayern, engagierte sie sich insbesondere für die Rechte der Frauen, z.B. auch dafür, dass Frauen und Männer uneingeschränkt gleichen Lohn erhalten.

Ihr Engagement für den Frieden (u.a. beim Kampf gegen die Wiederbewaffnung in den 1950er Jahren und bei der Arbeit in der Friedensbewegung in den 1980er Jahren) war bis zu ihrem Lebensende ungebrochen.

Die Kunstaktion DIE UNSICHTBARE* schlägt ein Denkmal für sie in Nürnberg (am Platnersberg) vor.

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Biografien

Elisabeth „Lissi“ Kaeser

1882 – 1953

Die Münchnerin war Lehrerin und schloss sich 1919 der SPD an.

Folgerichtig lag der Schwerpunkt ihres Engagements lebenslang darauf, dass Mädchen die selben Bildungschancen bekommen wie Jungen. Auch kämpfte sie gegen das Heiratsverbot von Lehrerinnen

Sie war von 1920-1924 und 1928-1932 Abgeordnete im Bayerischen Landtag – jeweils u.a. Mitglied im Ausschuss für Verfassungsfragen

Aus politischen Gründen verlor sie 1933 ihre Arbeit als Lehrerin.

1945 war sie an der Neugründung der SPD beteiligt.

Ab 1945 durfte sie wieder (als Studienprofessorin) unterrichten.

1946: Mitglied des Beratenden Landesausschusses (Vorparlament); Präsidiumsmitglied und 2. Schriftführerin der Verfassunggebenden Landesversammlung sowie stellvertretendes Mitglied des Verfassungsausschusses.

1947-1949: Vorsitzende des Frauenausschusses des SPD-Landesvorstands Bayern.

1947-1950: Vorsitzende der Landesfrauenarbeitsgemeinschaft der SPD.

1952: erhielt sie das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

2011: Benennung der Lissi-Kaeser-Straße im München-Schwabing.

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Biografien

Maria Deku

1901 – 1983

„Kein Wunder”, dass sie in Bayern der Vergessenheit anheim fiel, obwohl sie eigentlich vieler Ehren würdig gewesen wäre!

Geboren in Düsseldorf. Studierte Germanistik und Sprachwissenschaften.

Ab 1925 arbeitete sie im Katholischen Deutschen Frauenbund mit. Ende der 1920er Jahre beteiligte sie sich an einer Initiative zur Gründung der ersten katholischen sozialen Frauenschulen. Des Weiteren war sie bis 1933 Mitglied der Zentrumspartei.

In der Nazi-Zeit verfolgt, landete sie schließlich 1943 in der Oberpfalz.

Nach Ende des Krieges war sie von 1946 – 1948 Mitglied des bayerischen Landtags. Sie gehörte in dieser Zeit den Ausschüssen „für Entnazifizierungsfragen“ und „für Flüchtlingsfragen“ an, sowie dem „Besoldungsausschuß“.
Sie war Regierungsreferentin für Entnazifizierung bei der Regierung von Niederbayern/Oberpfalz. 1946 Mitglied des Beratenden Landesausschusses (Vorparlament). 1946 Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung.

Ihr „Vergehen“: Die Verfassungsgebende Landesversammlung lehnte den Antrag der Einrichtung eines „bayerischen Staatspräsidenten“ mit nur einer Stimme Mehrheit ab.

Dass ausgerechnet sie als „Preußin“ gegen den Antrag gestimmt hat (wenn auch durchaus mit weiteren CSU-Mitgliedern!): für Viele unverzeihlich! Sie war danach viel Feindschaft ausgesetzt.

Sie verließ Bayern, engagierte sich aber weiter im katholischen deutschen Frauenbund, im Kinderschutzbund, in der Claudel-Gesellschaft und besonders in der internationalen Frauen- und Friedensbewegung.

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Biografien

Rosa Aschenbrenner

1885 – 1967

Die „eiserne Rosa“ aus Beilngries
„Gußeiserne Stadtmutter“ Münchens
(Donaukurier 02.12.2020)

Nach der Schule arbeitete sie als Dienstmädchen. Sie trat 1908 in München dem Frauen- und Mädchenbildungsverein bei.

1909 (und wieder 1932) schloss sie sich der SPD an. Über die USPD führte ihr Weg sie zur VKPD.

Für die USPD war sie 1920 – 1922, für die KPD 1924 – 1932 im bayerischen Landtag. Danach engagierte sie sich voll in der Frauenhilfe für politische Gefangene (einer Hilfsorganisation der ADGB-Gewerkschaften)

Kämpfte gegen den Nationalsozialismus. Folgerichtig war sie während der NS-Zeit mehrfach inhaftiert.

1945 gehörte sie bei der Neugründung der SPD zu den Gründungsmitgliedern.

Für die SPD 1946 – 1948 im bayrischen Landtag, 1948 – 1956 in der Münchner Stadtverordnetenversammlung.
Gegnerin der Wiederbewaffnung

Sie gehörte 1946 der Verfassungsgebenden Landesversammlung im Bayerischen Parlament an.

Der Rosa-Aschenbrenner-Bogen in München-Schwabing wurde 2002 nach ihr benannt.
In Beilngries erinnert die „Rosa-Aschenbrenner-Anlage“ an sie.

mehr im Donaukurier: Die „eiserne Rosa“ aus Beilngries (08.02.2019)

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Biografien

Lina Ammon

1889 – 1969

Die Nürnbergerin arbeitete ab dem 14. Lebensjahr in Bleistiftfabriken.
1909 tritt sie in die SPD ein, 1910 in die Gewerkschaft.

Sie wird Mitglied im Landesvorstand der SPD in Bayern.
1919 gehört sie im Team um Maria Juchacz zu den Gründungsmitgliedern der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Sie übernimmt viele Ämter – oft in Bereichen, die traditionell nicht als „Frauendomäne“ gelten! Sie war z.B. Mitglied im Vorstand des Holzarbeiterverbandes. Von 1920 bis 1932 arbeitete sie im bayrischen Landtag in den Ausschüssen „für Aufgaben wirtschaftlicher Art“ und 1932/33 im Ausschuss „für den Staatshaushalt“ mit.

1933 stimmte sie im Bayrischen Landtag gegen das Gleichschaltungsgesetz.
Von 1933 – 1944 wurde sie mehrfach, rein mit politischer Begründung, verhaftet.

1946 arbeitete sie für die SPD in der „Verfassungsgebenden Landesversammlung“.

In Nürnberg war sie beim Aufbau der Arbeiterfürsorge beteiligt.
1948 – 1960 engagierte sie sich als SPD-Stadträtin in Nürnberg.

1962 erhielt sie die Bürgermedaille der Stadt Nürnberg.

1991 wurde eine Straße in Nürnberg nach ihr benannt.

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kaum zu glauben

Es ist kaum zu glauben. Im so konservativ verschrienen, bäuerlich geprägten Land Bayern arbeiteten 1946 insgesamt sechs Frauen in der Verfassungsgebenden Versammlung mit, noch dazu Frauen aus verschiedenen politischen Lagern und Parteien.
Welches Bundesland kann in seiner jeweiligen Verfassungsgebenden Versammlung mit gleich vielen oder gar mehr Frauen (verschiedener politischer Richtungen) aufwarten?

Wie sehr würde es das Bayernbild aufwerten, wenn es von dem Zuckerbäcker-Image des König-Ludwig-II.-Kults und des künstlich aufgeblähten Dirndl-Kults befreit wäre, und die Vielfalt der bayrischen Bevölkerung, seiner Geschichte und Kleidungstraditionen mehr zum Tragen käme. Dem Tourismus, und damit den Stadt- und Industriekassen, tut das Zuckerbäcker-Image natürlich gut …

Wissen Sie, welche Frauen in Ihrem Land bei der Verfassungsgebenden Versammlung mitgearbeitet haben?

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Biografien

Dr. Elisabeth Meyer-Spreckels

1890 – 1974

Dr.-Meyer-Spreckels-Straße

Nach ihrem Chemiestudium promovierte sie zur Dr. phil. Danach arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin.

Nach ihrer Heirat gab sie, wie so viele Frauen ihrer Generation, ihre Berufspläne auf – in ihrem Fall den Plan zu habilitieren und eine wissenschaftliche Karriere zu verfolgen.

Nach Ende des 2. WK begann sie ihre politische Karriere.

Die US-amerikanische Besatzungsmacht verlangte, in Bayern eine demokratische Verfassung zu erarbeiten. (Diese trat mit der Annahme durch einen Volksentscheid am 2. Dezember 1946 in Kraft.)

Dr. Meyer-Spreckels arbeitete 1946 für die CSU in der dafür eingesetzten verfassungsgebenden Versammlung mit.

1948 bis 1952 war sie Stadträtin in Fürth

Als Vorsitzende des Deutsch-Evangelischen Frauenbunds gründete sie 1954 ein Wohnheim für „arbeitsscheue nichtseßhafte Mädchen in truppenbesetzten Gebieten“. Das Konzept wurde bis heute immer wieder veränderten Bedürfnissen (vor allem junger Frauen/Mütter) angepasst und weiter entwickelt zu den heutigen „Wohnheime Frühlingstraße“.

1972 erhielt sie die Goldene Bürgermedaille der Stadt Fürth.

Fürth benannte 2002 eine Straße nach ihr in der Fürther Südstadt im restaurierten ehemaligen Kasernenviertel.

Link zu fürthwiki mit Foto

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Biografien Mittelfranken

Liesl Kießling

1893 – 1978

Liesl-Kießling-Straße

Sie startete ihr Berufsleben mit einer kaufmännischen Lehre und arbeitete danach als Kaufmännische Angestellte.

Zu Beginn des 1. WK machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Später war sie Mitglied des Vorstands des Kreisverbands Fürth des BRK.
Große Achtung erwarb sie sich mit ihrem großen Engagement für Kriegsspätheimkehrer, was ihr den Ehrennamen „Heimkehrermutti“ einbrachte.

1962 bekam sie als erste Frau die Goldene Bürgermedaille der Stadt Fürth

2001 wurde eine Straße in der Fürther Südstadt nach ihr benannt

weitere Ehrungen:
Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
– Ehrenbürgerwürde des Marktes Vestenbergsgreuth