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נָעֳמִי nå‘åmî (II)

Als die Fürther Kulturpreisträgerin 2020 Gisela Naomi Blume zum Judentum konvertierte, nahm sie den Namen „Naomi“ an.

Die Namensgeberin Naomi lebte vor rund 3000 Jahren im heutigen „Nahen Osten“, u.a. in Bethlehem. Eine Frau, die sich zusammen mit ihrer Schwiegertochter Ruth für viele Menschen weltweit positiv ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Deren Geschichte (erstaunlicherweise?) mündlich und schriftlich weitertradiert und immer wieder neu interpretiert wurde und wird.
Ein Vorgang, der 3000 Jahre später so aktuell und nachvollziehbar ist wie damals. Frauen, auf deren Vorbild sich bis heute (nicht nur) Frauen beziehen.

Wegen Hungersnot im eigenen Land wandert ein Ehepaar (Naomi und ihr Mann) mit seinen beiden Söhnen in ein fremdes Land aus, ein Land mit anderer Sprache, Sitten und Gebräuchen, anderer Religion.

In unserer heutigen gesellschaftlichen Situation leicht vorzustellen, welcher Hilfsbereitschaft sie begegnen, aber auch welchen Unterstellungen, Anfeindungen und Angriffen sie ausgesetzt sind, welche Schwierigkeiten sie haben mit dem Lernen der neuen Sprache, den Sitten und Gebräuchen, und welche Schwierigkeiten als Andersgläubige.

Erwachsen, offensichtlich in der neuen Heimat integriert, heiraten die Söhne Frauen aus der neuen Heimat.

Wie die beiden Familien darauf reagieren, ist nicht überliefert – nur, dass Naomi und ihre Schwiegertöchter ein Vertrauensverhältnis pflegen.

Naomis Ehemann stirbt. Die Söhne sterben kinderlos.
Naomi entscheidet sich, zurück in die alte Heimat zu gehen.
Sie empfiehlt ihren Schwiegertöchtern, in deren eigenen Land eine neue Familie zu gründen.

Nach damaligen Regeln und als alte Frau ein mehr als großzügiges Angebot.

Ruth entscheidet sich – bewusst und freiwillig – gegen diesen Rat und geht mit Naomi in deren Heimat. Als Ausländerin integriert sie sich in das „Schwieger“land und gründet dort (nach deren Regeln) eine neue Familie.